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  • Elisabeth Trixner

Hund im Konflikt - diese 4 Strategien stehen dem Hund zur Verfügung

"Moi schau, wieviel Spaß meine "Kamilla" mit "Elliot" hat!"...solche oder ähnliche Sätze höre ich immer wieder von freudestrahlenden Hundemamis/-papis und man sieht förmlich die Herzen in den Augen der glücklichen Besitzer - "Nö, die fiddelt sich grad aus der Situation"...hä, wie bitte, was meinst du? Täglich geraten unsere Hunde in Konflikte - mal kleinere, mal größere. Konflikte mit uns, Artgenossen, "unheimlichen" Gegenständen, fremden Tieren etc. und sind damit überfordert, weil sie diese als gefährlich oder bedrohlich einstufen.


Auch wenn wir Menschen denken, dieser Umstand ist doch total harmlos, sollten wir uns niemals anmaßen, entscheiden zu können, was für unsere Fellnase angsteinflößend wirkt!!! (Mein persönlicher Grauen sind Reptilien, da können mir zig Menschen sagen, dass diese wirklich harmlos und wunderschön sind, für mich bleiben diese Tiere furchteinflößend, basta!)


In solchen Situationen steigt der Stresslevel rasant an, der Körper wird durch Adrenalin in Alarmbereitschaft versetzt und er versucht eine Lösung zu finden, um dieser Lage zu entkommen. Hunde haben vier Möglichkeiten zu reagieren - die 4Fs der Verhaltensreaktion!

  • Freeze (Einfrieren)

  • Fiddle (Übersprungshandlung)/Flirt (Herumalbern)

  • Flight (Flüchten)

  • Fight (Drohen/Kämpfen)

Schauen wir uns diese vier Fs doch mal etwas genauer an! Freeze (Einfrieren) Der Hund verfällt dabei in eine Art Schockstarre - er wird total steif, man sieht keine Bewegung. Das beobachtet man öfters in Begegnungssituationen Mensch/Hund oder Hund/Hund. Manchmal tritt dieses Verhalten nur für ein paar Sekunden auf, manchmal aber auch bis die Situation vorbei ist. Vielen Menschen fällt dieses Verhalten gar nicht auf, vermutlich, weil es nicht als störend empfunden wird. Aber Achtung, anstelle von Freeze kann ganz schnell die Wahl auf ein anderes "F" fallen.

Fiddle (Übersprungshandlung)/Flirt (Herumalbern)

Ein Hund, der gerade nicht mehr weiter weiß oder überfordert ist, zeigt oftmals auch Übersprungshandlungen. Dies kann zum Beispiel ein wildes Herumflitzen, Buddeln, Bellen, Kratzen, Anspringen oder einfach eine Art "herumkaspern" sein. Wichtig ist zu erkennen, ob Stressanzeichen dabei vorhanden sind. Mit Fiddeln versucht der Vierbeiner, die für ihn gerade stressige Situation quasi zu Überspielen.


Beim Flirt zeigt der Hund Verhaltensweisen, die ebenfalls dafür sorgen sollen, den Konflikt möglichst friedlich zu lösen. Dies können zum Beispiel Beschwichtigungssignale (z.B. Lippen lecken) oder Demutsverhalten (z.B. auf den Rücken legen) sein.


Auch eine „Spielaufforderung“ wird bei Konflikten in Hundebegegnungen häufig gezeigt. Diese Spielaufforderung stellt aber keine tatsächliche Einladung zu einer netten gemeinsamen Interaktion dar, sondern sie dient einfach der Deeskalation. Manchmal entsteht eine Art "Scheinspiel", die Hunde fangen an zu rennen. Häufig bleibt derjenige, der das Spiel angefangen hat in der Rolle des Hasen und läuft im Rennspiel vorne. Für die beteiligten Hunde ist diese Situation keinesfalls eine Riesengaudi, sondern Stress. Sollten also keine weiteren Anzeichen von Spiel zu erkennen sein, sollte die Situation möglichst schnell und freundlich für alle Beteiligten beendet werden.


Flight (Flüchten)

Die sicherste Möglichkeit eine Situation friedlich zu lösen, ist, ihr aus dem Weg zu gehen. Flight heißt also nicht zwingend, dass der Hund "seine Beine in die Hand nimmt" und fluchtartig eine Situation verlässt, dazu zählen auch Verhaltensweisen wie Distanz aufbauen, zwischen den Beinen des Besitzer verstecken, sich abwenden und gehen.

Ist ein Flüchten nicht möglich, weil der Hund angeleint ist, oder nicht ausreichend genug

, um die Situation zu entschärfen, wird Dein Hund eventuell die letzte Möglichkeit nutzen…

Fight (Drohen/Kämpfen) Wenn der Hund keinen anderen Ausweg mehr sieht, weil die Distanz zum Auslöser zu gering ist oder er mit anderen Strategien keinen Erfolg hat, entscheidet er sich fürs Drohen bzw. tatsächlich auch für den Kampf. Es wählt dieses Verhalten keinesfalls aus Spaß oder Dominanz, es ist für ihn im Moment einfach die einzige Chance sich die Bedrohung vom Leib zu halten. Ein Hund zeigt allerdings im Vorfeld unzählige Signale für sein Unwohlsein wie z.B. angespannte Körperhaltung, in die Luft schnappen, Zähne zeigen, knurren. Daher warne ich immer davor, Hunden das Knurren zu verbieten, denn dann wird er es aus seinem Repertoire streichen und unter Umständen schneller und früher zubeißen.

Welche Option unsere Hunde wählen ist abhängig von der Situation, Tagesform, dem Gegenüber und vor allem der Erfahrung. Wenn ein Hund mehrfach Erfolg hatte mit "Angriff ist die beste Verteidigung", so wird er häufiger diese Strategie wählen. Durch gezieltes Training können wir dem Hund allerdings die anderen Verhaltensweisen wieder näher bringen und sein Handlungsspektrum erweitern.

Ich hoffe, ich konnte Euch wieder helfen, Eure Hunde ein bisschen besser zu verstehen :-)



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